
M 31
M31 — Staubbahnen, zwei Begleiter und ein Ring aus leuchtendem Wasserstoff
Andromeda ist unsere nächste große Nachbargalaxie und eines der auffälligsten mit bloßem Auge sichtbaren Deep-Sky-Objekte am nördlichen Himmel. Rund 2,5 Millionen Lichtjahre liegen zwischen uns und M 31. Das Licht dieser Aufnahme war schon unterwegs, lange bevor Homo sapiens entstand. Und trotzdem ist die Galaxie kein fernes Pünktchen: Am Himmel ist ihre schwache Scheibe ungefähr sechsmal so lang wie der Vollmond – das Auge sieht davon meist nur den hellen Kern.
Ein kleiner Kontrapunkt zum berühmten Superlativ: M 31 ist nicht sicher das fernste regelmäßig ohne Optik sichtbare Objekt. M 33 steht mit rund 2,76 Millionen Lichtjahren weiter draußen und kann unter außergewöhnlich dunklem Himmel ebenfalls mit bloßem Auge auftauchen. Bei beiden Galaxien ist nicht die Gesamtmenge des Lichts das Problem, sondern seine Verteilung über eine riesige Fläche.
Breitband und separat integrierter Wasserstoff. Die neue Fassung vereint 122 Breitbandaufnahmen mit 4 h 31 min Belichtungszeit und zusätzlich rund 75 Minuten Hα. Insgesamt kommen damit ungefähr 5 h 46 min zusammen. Die Breitbanddaten liefern Sternfarben, Staubbahnen und das warme Licht des zentralen Sternkörpers; die gesondert integrierte Hα-Aufnahme hebt die Emissionsgebiete hervor. Der große Sternentstehungsring wird zu einer Kette aus H-II-Komplexen, und auch in den äußeren Armen liegen noch leuchtende Knoten. Die auffälligsten sind im Overlay mit ihren Katalognamen markiert – unter anderem nach Walter Baade und Halton Arp (BA 1-…). Ein Katalogmarker bedeutet dabei nicht, dass sich jedes darin enthaltene Objekt, etwa ein Supernovaüberrest, auch einzeln auflösen lässt.
Das Bildfeld. Die veröffentlichte Fassung umfasst 2,787 × 1,858° bei 1,568 Bogensekunden pro Pixel und 6400 × 4267 Pixeln. In der Entfernung von M 31 entspricht das ungefähr 122.000 × 81.000 Lichtjahren; ein Bildpunkt überspannt rund 19 Lichtjahre. Das ist der Abbildungsmaßstab, keine Aussage darüber, dass sich einzelne 19 Lichtjahre große Strukturen tatsächlich trennen lassen.
Warum die Spiralarme Ellipsen sind. Wir sehen die Scheibe unter etwa 77° Neigung, also fast von der Kante. Deshalb erscheint die Spirale nicht als offenes Muster, sondern als schmale, ineinandergeschachtelte Ellipsen. Und deshalb sind die Staubbahnen so kontrastreich: Der Blick läuft schräg durch die Scheibe und summiert viel Staub auf derselben Sichtlinie. Die kräftigste Ellipse ist nicht einfach ein einzelner Arm, sondern der Sternentstehungsring bei rund 10 Kiloparsec beziehungsweise 33.000 Lichtjahren Radius – die aktivste Zone der Galaxie. Dort konzentrieren sich viele der jungen Sternassoziationen und Emissionsgebiete.
Der Kern besteht aus drei Teilen. Im Zentrum sitzt ein Schwarzes Loch von etwa 140 Millionen Sonnenmassen, rund dreißigmal so massiv wie Sagittarius A* in der Milchstraße. Hubble löste seine Umgebung in die Komponenten P1, P2 und P3 auf:
- P3 ist eine Scheibe aus mehr als 400 blauen Sternen unmittelbar um das Schwarze Loch, nur etwa ein Lichtjahr groß.
- P1 und P2 sind nicht zwei Haufen, sondern die beiden sichtbaren Verdichtungen eines einzigen exzentrischen Rings aus alten roten Sternen.
Das offene Problem daran: Sternentstehung so dicht am Schwarzen Loch sollte durch Gezeitenkräfte erschwert werden. Dass dort trotzdem eine junge blaue Sternscheibe existiert, ist bis heute nicht vollständig erklärt. In diesem Foto bleibt der gesamte Aufbau natürlich unter der Auflösungsgrenze. Ein Lichtjahr in M 31 misst nur ungefähr 0,08 Bogensekunden; auch hundert Stunden Belichtung würden aus dem hellen Kernpunkt keine aufgelöste P1/P2/P3-Struktur machen.
Zwei Begleiter, zwei sehr verschiedene Rätsel. M32 und M110 stehen beide im Feld. M32 ist ungewöhnlich kompakt und dicht; möglicherweise ist sie der freigelegte Kern einer früher größeren Galaxie. M110 ist viel diffuser und enthält ausgerechnet Staub und junge Sterne, die man in einer klassischen Zwergelliptischen kaum erwartet. Beide sind wahrscheinlich von der Wechselwirkung mit M 31 geprägt, aber auf gegensätzliche Weise. Ihr glattes Sternlicht unterscheidet sie deutlich von den strukturierten Spiralarmen der großen Nachbarin.
NGC 206 und die äußere Scheibe. Südwestlich des Kerns liegt mit NGC 206 eine der größten OB-Assoziationen der Lokalen Gruppe. Ihre blauen Sterne stehen in einer freigeräumten Lücke; die H-II-Komplexe des Südwestarms — Pellet 162, BA 1-318, BA 1-457 und der große Komplex BA 1-363 — liegen ringsum. Im Nordostarm markiert das Overlay die Kette von BA 1-577 bis BA 1-245 und den Supernovaüberrest neben BA 1-212: Geburtsstätten und Überreste derselben kurzen Lebenszyklen massereicher Sterne.
Kommt die Kollision überhaupt? M 31 bewegt sich auf uns zu, und die Verschmelzung mit der Milchstraße galt lange als fast sicher. Eine 2025 veröffentlichte Simulationsstudie mit Gaia-Daten und revidierten Galaxienmassen kommt dagegen nur auf ungefähr 50 % Wahrscheinlichkeit innerhalb der kommenden zehn Milliarden Jahre. M 33 erhöht in den Modellen die Kollisionschance, die Große Magellansche Wolke lenkt das System eher seitlich ab. Selbst bei unserer berühmtesten Nachbargalaxie ist die Zukunft also weniger entschieden, als populäre Darstellungen lange behauptet haben.
Wo am Himmel
Das Rechteck ist das echte Bildfeld dieser Aufnahme, mit gemessener Drehung — kein Symbol. Die Sternbildfigur und die Sternpositionen stammen aus SIMBAD.
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Ausschnitte

Kern & Scheibe
Kern und Scheibe — 77° Neigung, ein Dreifachkern unter der Auflösungsgrenze und der innere Ring
1,06° × 0,88°·00h 42m 46.58s +41° 15′ 19.9″
Bildfeld ungefähr 46.400 × 38.500 Lichtjahre (63,8′ × 52,9′) in der aktuellen Galeriefassung.
Der helle Fleck in der Mitte enthält den kompletten Dreifachkern: das Schwarze Loch mit 140 Millionen Sonnenmassen, die blaue Sternscheibe von einem Lichtjahr Durchmesser und den fünf Lichtjahre weiten roten Ring. Bei 1,57″ pro Pixel liegt das alles weit unter einem einzigen Bildpunkt.
Was man dagegen gut sieht, ist die Geometrie der Scheibe: Durch die Neigung von 77° werden die Spiralarme zu geschachtelten Ellipsen, und die Staubbahnen stehen als scharfe dunkle Bögen davor. Oben zieht der große Sternentstehungsring mit seinen Hα-Komplexen vorbei — BA 1-40 und BA 1-67 sind markiert —, und näher am Kern zeigt die Hα-Ebene den inneren Ring: BA 1-4 in 11,7′ und BA 1-406 in 15′ Abstand, also 8.500 bis 11.000 Lichtjahre vom Zentrum. Unten links, am Innenrand des Südwestarms, sitzt der Komplex BA 1-292 mit den jungen Sternhaufen KWE 45 bis 48.

M110
NGC 205 (M110) — eine Zwergelliptische mit Staub, den sie nicht haben dürfte
33,3′ × 25,4′·00h 40m 21.22s +41° 41′ 24.0″
Bildfeld ungefähr 24.200 × 18.500 Lichtjahre (33,2′ × 25,4′) in der aktuellen Galeriefassung.
M110 ist eine zwergelliptische Begleitgalaxie — und damit eigentlich ein Objekt, das aus alten Sternen bestehen und kein Gas mehr enthalten sollte. Genau das trifft nicht zu: Im Zentrum von NGC 205 stecken Staubwolken und junge, blaue Sterne, die auf Sternentstehung innerhalb der letzten paar hundert Millionen Jahre hinweisen. Für eine Zwergelliptische ist das die Ausnahme, nicht die Regel. In der Hα-Ebene bleibt M110 trotzdem dunkel: Was dort an jungen Sternen existiert, ionisiert keine nennenswerte Gasmenge mehr.
Die plausible Erklärung für den Staub liegt in der Nachbarschaft selbst: Die Gezeitenwechselwirkung mit M31 kann Gas nach innen treiben, statt es nur wegzureißen. Der diffuse, weiche Lichtabfall nach außen ist typisch für diesen Galaxientyp — hier ist keine Struktur verlorengegangen, es gibt einfach keine.

M32
M32 — die kompakteste Galaxie der Nachbarschaft
18,8′ × 19,2′·00h 42m 45.31s +40° 51′ 52.0″
Bildfeld ungefähr 13.700 × 14.000 Lichtjahre (18,8′ × 19,2′) in der aktuellen Galeriefassung.
M32 ist der Prototyp der kompakten Elliptischen: winzig verglichen mit M31, aber mit einer zentralen Sterndichte, die die Umgebung unserer Sonne um viele Größenordnungen übertrifft. Im Kern sitzt ein Schwarzes Loch von einigen Millionen Sonnenmassen.
Woher so ein Objekt kommt, ist offen. Die stärkste Vermutung: M32 ist der übriggebliebene Kern einer größeren Galaxie, deren äußere Sterne M31 im Vorbeiflug abgestreift hat. Eine verwandte Hypothese macht M32 zum Rest jener massiven Galaxie, die vor etwa zwei Milliarden Jahren mit M31 verschmolzen ist. Diskutiert wird außerdem, ob ein Durchflug von M32 durch die Scheibe von M31 den auffälligen Sternentstehungsring mitverursacht hat. Im Bild bleibt M32 unauffällig — ein glatter, sehr konzentrierter Lichtball ohne innere Struktur und ohne jede Hα-Emission.

NGC 206
NGC 206 und der Südwestarm — eine Sternenwerkstatt und ihre Nachbarschaft
51,2′ × 32,7′·00h 40m 05.88s +40° 38′ 51.0″
Bildfeld ungefähr 37.200 × 23.800 Lichtjahre (51,1′ × 32,7′) in der aktuellen Galeriefassung.
NGC 206 ist keine eigene Galaxie und kein Sternhaufen, sondern eine OB-Assoziation: eine lose Ansammlung von mehreren hundert sehr heißen, blauen, kurzlebigen Sternen mit rund 4.000 Lichtjahren Ausdehnung — die hellste und größte Sternentstehungsregion in ganz M31. Ihre hellsten Mitglieder sind erst wenige zehn Millionen Jahre alt. Auffällig ist, wo sie sitzt: in einer Lücke zwischen zwei Staubarmen. Die Assoziation hat das Gas ihrer Umgebung zum großen Teil aufgebraucht und den Rest durch Strahlung und Sternwinde weggeräumt — deshalb leuchtet sie selbst kaum in Hα.
Das Gas, das ihr fehlt, liegt ringsum: Direkt oberhalb der Komplex Pellet 162, daneben BA 1-318 mit dem jungen Sternhaufen KWE 17, weiter innen BA 1-457 — und links unten, wo der Arm schon dünn wird, der hellste H-II-Komplex des ganzen Südwestarms, BA 1-363, um die OB-Assoziation OB 139. Die Hα-Ebene macht aus dem Arm eine Abfolge: verbrauchtes Gas bei NGC 206, aktive Sternentstehung ein paar tausend Lichtjahre weiter.

Nordostarm
Der Nordostarm — wo die Scheibe ausläuft, mit einer Kette aus Sternfabriken und einem Überrest
52,7′ × 56,5′·00h 45m 49.96s +42° 07′ 07.7″
Bildfeld ungefähr 38.400 × 41.100 Lichtjahre (52,8′ × 56,5′) in der aktuellen Galeriefassung.
Was hier vor der Hα-Ebene ein blasser blauer Arm war, ist jetzt eine Kette: Unten BA 1-577 und BA 1-578, dann BA 1-212 mit der OB-Assoziation OB 51 und dem jungen Haufen BA 1-210 — 27″ daneben liegt der Supernovaüberrest [LL2014] 144, in einer Region, in der also gerade Sterne entstehen und vergehen. Weiter außen folgen BA 1-642, Pellet 930 und am äußersten Rand BA 1-245, 71′ oder rund 52.000 Lichtjahre vom Kern entfernt. Der Arm bildet Sterne bis dorthin, wo das Sternlicht selbst kaum noch vom Himmelsgrund zu trennen ist.
Der Außenarm ist zugleich der ehrlichste Teil jeder Galaxienaufnahme: Sein Signal liegt nur wenig über dem Himmelsgrund — jede zusätzliche Belichtungsstunde zahlt zuerst hier ein.

Hα-Ring
Der Sternentstehungsring — die Hα-Kette des Nordostbogens
1,06° × 0,80°·00h 44m 21.02s +41° 32′ 35.1″
Bildfeld ungefähr 46.200 × 34.900 Lichtjahre (63,6′ × 48,0′) in der aktuellen Galeriefassung.
Der Bogen, der von links unten nach rechts oben durch das Feld zieht, ist der Sternentstehungsring bei rund 10 Kiloparsec — in der Projektion die vordere Hälfte einer Ellipse. Ohne Schmalband ist er ein rosafarbener Saum. Mit Hα zerfällt er in einzelne Komplexe, und die Katalognamen von Baade und Arp bekommen ein Gesicht: BA 1-117, der hellste Hα-Komplex des ganzen Bildes, gut 2′ oder 1.500 Lichtjahre groß, mit der OB-Assoziation OB 42 daneben; BA 1-67, in dessen Zentrum der Supernovaüberrest-Kandidat BW-61 sitzt; BA 1-40 mit dem Überrest [LL2014] 89 nur 18″ entfernt; BA 1-163 am Ostende des Bogens, 47″ vom auch im Röntgenlicht nachgewiesenen Überrest BA 1-160. Rechts unten, auf der Nordwestseite der Scheibe, liegt BA 1-548 über einer Riesenmolekülwolke — der Ring läuft dort hinter dem Staub weiter.
Dass Supernovaüberreste so dicht bei den H-II-Regionen stehen, ist kein Zufall, sondern das Prinzip: Die Sterne, die den Wasserstoff ionisieren, leben nur wenige Millionen Jahre. Wo eine Region lange genug aktiv war, explodieren die ersten bereits, während die nächsten noch leuchten. Näher am Kern markieren BA 1-4 und BA 1-577/578 den inneren Ring beziehungsweise den Ansatz des Nordostarms.

Südwestende
Das Südwestende — wo die Scheibe im Dunkeln ausläuft, ein letzter Knoten und ein Stern davor
40,8′ × 26,3′·00h 38m 10.97s +40° 18′ 35.0″
Bildfeld ungefähr 29.700 × 19.100 Lichtjahre (40,8′ × 26,3′) in der aktuellen Galeriefassung.
Der rote Doppelknoten ist BA 1-490 mit seinen Nachbarn BA 1-487 bis 1-492: der äußerste H-II-Komplex am Südwestende, 77′ vom Kern. BA 1-490 ist zugleich DDB 1-1, ein Eintrag aus dem ersten optischen Katalog von Supernovaüberrest-Kandidaten in M31. Dass so weit draußen überhaupt noch Sterne entstehen, zeigt, wie weit das Gas der Scheibe über ihr sichtbares Sternlicht hinausreicht.
Der helle blau-weiße Stern darunter gehört nicht dazu: HD 3431 ist ein A0-Stern der Milchstraße in rund 640 Lichtjahren Entfernung — etwa 4.000-mal näher als die Galaxie, vor der er steht. Sein Licht war rund 640 Jahre zu uns unterwegs, das der Galaxie rund 2,5 Millionen Jahre. Im selben Bild überlagern sich damit zwei sehr unterschiedliche Entfernungen und Lichtlaufzeiten.
Aufnahme und Bearbeitung
Die aktuelle Breitbandfassung kombiniert 113 × 120 s und 9 × 300 s, zusammen 122 Lights und 16.260 s beziehungsweise 4 h 31 min. Aufgenommen wurde zwischen dem 20. August und 6. September 2026 in Friedrichsdorf mit ZWO ASI2600MC Air am William Optics RedCat 71, 349 mm Brennweite und Gain 100. Diese Zahlen stammen aus den im neuen Bild eingebetteten Aufnahmemetadaten.
Separat integriertes Hα ergänzt das Breitbandbild. Dafür kamen zusätzlich rund 75 Minuten zusammen; die gesamte Belichtungszeit liegt damit bei ungefähr 5 h 46 min. Der Hα-Anteil ist als Näherungswert angegeben. Die im Bild eingebettete Liste mit 122 Lights beschreibt den Breitbandanteil, nicht die zusätzliche Hα-Integration. Die Kombination betont Emissionsgebiete; sie ist keine photometrisch kalibrierte Hα-Karte.
Die Bildquelle ist ein neu bearbeitetes AVIF mit HDR-Gain-Map; der Webexport erzeugt daraus getrennte SDR- und HDR-Varianten.
Astrometrie der aktuellen Galeriequelle: 6400 × 4267 Pixel, 1,5676″/Pixel, Bildfeld 2,7868 × 1,8580°, Drehung +98,87°. Bildmitte RA 00h 42m 42,8s, Dec +41° 14′ 46,6″. Die Lösung verwendet 2.831 Referenzsterne bei 1,019″ RMS-Restfehler. Norden liegt ungefähr rechts. Ausschnitte und Katalogmarkierungen werden auf diese neue Bildgeometrie bezogen.