Astro
NGC 6871 und der Tulpennebel – Lichtinseln im dunklen SchwanHDR 1,2×SDR

NGC 6871

NGC 6871 und der Tulpennebel – Lichtinseln im dunklen Schwan

Rotes Leuchten zieht sich wie ein dünner Schleier über das Sternfeld. Dazwischen liegen verzweigte dunkle Adern, breite Schatten und kleine, fast schwarze Spitzen. Links unten setzt der Tulpennebel Sh2-101 einen hellen Akzent; weiter oben lockert sich der junge Sternhaufen NGC 6871 aus dem Sternengewimmel. Das rund 3,85° breite Feld zeigt keinen einzelnen, sauber begrenzten Nebel, sondern einen Ausschnitt aus der vielschichtigen Milchstraße im Schwan.

Eine Tulpe aus leuchtendem Gas. In Sh2-101 konzentriert sich die Emission auf einen hellen, gebogenen Saum. Heiße Sterne, darunter HD 227018, liefern die ultraviolette Strahlung, die das Gas zum Leuchten anregt. Im Bild kontrastieren der blasse Innenbogen und die rote äußere Hülle mit den dunklen Staubfäden direkt darüber.

Junge Sterne mit kräftigen Winden. NGC 6871 ist ein offener Sternhaufen: eine lockere Ansammlung, kein kugelförmig verdichteter Sternenschwarm. Untersuchungen mit Gaia-Daten ordnen ihn einer größeren Gruppe junger Haufen zu. Im markierten Kern liegt WR 133 / HD 190918, ein Doppelstern mit einer Wolf-Rayet-Komponente. Seine beiden Sterne bleiben hier unaufgelöst; das System ist ein Hinweis darauf, wie verschieden die Entwicklungsstadien hinter ähnlich kleinen Lichtpunkten sein können.

Ein unscheinbarer Punkt mit berühmtem Nachbarn. Unterhalb der Tulpe liegt die Position von Cygnus X-1. Im sichtbaren Licht kennzeichnet der Marker dessen Begleitstern HD 226868. Das Schwarze Loch selbst wird in dieser Aufnahme nicht abgebildet. Auch die aus wesentlich tieferen Aufnahmen bekannte Stoßfront ist hier nicht sicher nachgewiesen. Noch weiter unten steht η Cygni, ein K-Riese, der in dieser Bearbeitung auffällig hell und kühl gefärbt erscheint.

Die dunklen Bereiche gehören zum Motiv. Staub absorbiert und streut Hintergrundlicht; dadurch entstehen sternärmere Zonen und scharfe Silhouetten vor dem roten Leuchten. Die Ausschnitte führen unter anderem zu LDN 852, Barnard 146, DOBASHI 2269 und LDN 865. Ihre Katalognamen bezeichnen unterschiedliche Teilbereiche des Feldes, nicht automatisch voneinander getrennte Wolken in gleicher Entfernung. Norden liegt in dieser Bildorientierung rechts, Osten oben.

Wo am Himmel

DenebSadrAljanahFawarisAlbireoC27 CrescentNGC 7000NGC 6992IC 1318 PanoramaNGC 6888NGC 6871
Schwan — 6 Einträge auf 26° Bildbreite

Das Rechteck ist das echte Bildfeld dieser Aufnahme, mit gemessener Drehung — kein Symbol. Die Sternbildfigur und die Sternpositionen stammen aus SIMBAD.

In dieser Region liegen 6 Einträge auf 26° — ein Klick auf ein Feld wechselt dorthin.

Ausschnitte

Sh2-101 – die leuchtende Tulpe2 Objekte — zeigen

Tulpennebel

Sh2-101 – die leuchtende Tulpe

41,1′ × 32,1′·19h 59m 55.13s +35° 19′ 25.2″

Ein heller, gebogener Saum umschließt den blassen Innenbereich von Sh2-101. Darüber schieben sich dunkle Staubfäden vor das rote Umfeld. HD 227018 sitzt im markierten Nebelfeld und gehört zu den heißen Sternen, die dessen Emission anregen. Dieser Ausschnitt konzentriert sich auf die Tulpe; der Begleitstern von Cygnus X-1 liegt knapp unterhalb seiner unteren Kante und ist im Gesamtbild markiert.

η Cygni – ein heller Vordergrundstern1 Objekt — zeigen

η Cygni

η Cygni – ein heller Vordergrundstern

29,5′ × 24,3′·19h 56m 17.15s +35° 04′ 34.3″

Der auffällige Lichtpunkt ist η Cygni. SIMBAD führt ihn als K0-Riesen. Das breite, sanft auslaufende Leuchten um den Stern hebt sich deutlich von den kleinen Punkten im Hintergrund ab. Seine weißblaue Erscheinung in dieser HOO-Fassung ist keine verlässliche natürliche Sternfarbe; Filterdurchlass und Bearbeitung bestimmen den Eindruck mit. Der Ring markiert die Sternposition, keinen eigenen Nebel.

NGC 6871 – junge Sterne und WR 1333 Objekte — zeigen

NGC 6871 · WR 133

NGC 6871 – junge Sterne und WR 133

38,8′ × 38,4′·20h 06m 01.91s +35° 48′ 07.9″

Eine lockere Gruppe heller Sterne hebt sich aus dem roten Schleier ab: NGC 6871. Im Kern ist WR 133 / HD 190918 markiert, dessen Wolf-Rayet- und O-Komponenten hier zu einem einzigen Lichtpunkt verschmelzen. Weiter rechts oben im Ausschnitt steht 27 Cygni, ein eigenständiger Katalogstern. Die drei Marker helfen, den ausgedehnten Haufenbereich von einzelnen auffälligen Sternen zu unterscheiden.

LDN 852 – dunkle Finger vor rotem Gas1 Objekt — zeigen

LDN 852

LDN 852 – dunkle Finger vor rotem Gas

36,0′ × 31,2′·20h 06m 20.51s +35° 10′ 28.7″

Schmale dunkle Finger ragen in ein ungleichmäßig leuchtendes Feld. Die Katalogposition von LDN 852 liegt in diesem verzweigten Staubgebiet. Besonders an den Spitzen wird der Kontrast zwischen Abschattung und rotem Hintergrund sichtbar; weiter außen gehen die Strukturen weich ineinander über. Der Kreis bezeichnet den katalogisierten Bereich und folgt nicht seiner gezackten Silhouette.

Barnard 146 und LDN 857 – Haken aus Staub2 Objekte — zeigen

B 146 · LDN 857

Barnard 146 und LDN 857 – Haken aus Staub

57,1′ × 54,9′·20h 03m 18.63s +35° 45′ 19.2″

Der Ausschnitt verbindet einen breiten dunklen Streifen mit schmaleren, hakenförmigen Ausläufern. Barnard 146 liegt bei der markanten dunklen Spitze, LDN 857 weiter unten rechts im Feld. Dazwischen bleibt rotes Leuchten sichtbar. Die beiden Katalogpositionen gliedern das Motiv; aus der scheinbaren Nachbarschaft lässt sich allein noch keine gemeinsame räumliche Tiefe ableiten.

DOBASHI 2269 – die große dunkle Bucht1 Objekt — zeigen

DOBASHI 2269

DOBASHI 2269 – die große dunkle Bucht

1,08° × 0,93°·20h 03m 34.81s +36° 58′ 09.6″

Eine breite, sternarme Bucht öffnet sich zwischen roten Nebelrändern. Im oberen Teil liegt die Katalogposition der Dunkelwolke DOBASHI 2269. Nach unten verengt sich die Abschattung zu einem gebogenen Streifen. Der Wechsel zwischen fast schwarzem Inneren, dünnen roten Fäden und dichter besetzten Sternfeldern macht diesen Ausschnitt besonders plastisch.

LDN 865 und DWB 13 – Staub neben Emission2 Objekte — zeigen

LDN 865 · DWB 13

LDN 865 und DWB 13 – Staub neben Emission

1,18° × 0,83°·20h 04m 17.17s +37° 55′ 16.5″

Im rechten Teil des Gesamtbildes treffen fein verzweigte rote Filamente auf weichere dunkle Flächen. LDN 865 markiert einen staubgeprägten Bereich; weiter rechts liegt die katalogisierte H-II-Region DWB 13. Die geringe Helligkeit einzelner Zonen kann sowohl mit Abschattung als auch mit schwächerer Emission zusammenhängen. Die Marker unterscheiden die beiden Katalogobjekte, ohne den gesamten Ausschnitt einem einzigen Nebel zuzuschreiben.

LDN 862 und LDN 863 – am oberen Wolkenrand3 Objekte — zeigen

LDN 862 · LDN 863

LDN 862 und LDN 863 – am oberen Wolkenrand

1,27° × 0,38°·20h 07m 20.69s +36° 49′ 04.9″

Dieser breite Streifen folgt dem oberen Rand der Aufnahme. Zwischen LDN 862 und LDN 863 wechseln dunkle Einschnitte und rote Aufhellungen; daneben liegt die Position von DWB 5. Der flache Ausschnitt betont die feinen Übergänge entlang des Randes. Die überlagerten Kreise geben Suchbereiche an, während die tatsächlichen Konturen unregelmäßig weiterlaufen.

Aufnahme und Bearbeitung

Aufnahme. Zehn ausgewählte Belichtungen vom 5. September 2026, jeweils 300 Sekunden, ergeben 50 Minuten Gesamtbelichtung. Aufgenommen mit der ZWO ASI2600MC Air am RedCat 71 bei 349 mm, Gain 100, Offset 50 und −10 °C; verwendet wurde ein Duo-Hα/O-III-Filter. Alle zehn Lights wurden im dokumentierten Lauf vom 9. September registriert, lokal normalisiert und integriert.

Kalibration und Bearbeitung. Die Kalibration verwendete Master-Bias, Duo-Flat und einen auf 300 Sekunden skalierten Bibliotheks-Master-Dark. Aus dem integrierten Farbbild wurden für PiMagic Hα = R und O III = ½(G + B) abgeleitet. Der dokumentierte Ablauf umfasst Gradientenkorrektur, getrennte Stern- und Nebelebenen, Schärfung, Entrauschung und nichtlineare Streckung. Grundlage dieses Eintrags ist die ausgewählte AVIF-Endfassung.

Farben lesen. In der HOO-Zuordnung steht Rot für den wasserstoffbetonten Kanal, Grün und Blau für den sauerstoffbetonten Anteil. Die Dualbanddaten einer Farbkamera sind keine vollständig getrennten Spektralmessungen; besonders Sternfarben und Halos dürfen deshalb nicht wie natürliche Breitbandfarben interpretiert werden.

Beschriftungen. Die eigene Sternlösung der 6.248 × 4.176 Pixel großen AVIF-Datei liefert 2,220″/Pixel und etwa 3,85° × 2,57° Bildfeld. Sie wurde mit 27.361 Referenzsternen bei 1,10″ Restfehler bestimmt. SIMBAD-Positionen werden mit dieser Lösung auch in die acht vorhandenen Ausschnitte übertragen. Die Kreise sind Orientierungshilfen; sie messen weder Wolkengrenzen noch die Ausdehnung von Sternsystemen.

← Alle Einträge