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Sh2-129 und Ou4 – der Tintenfisch in den Flügeln der FledermausHDR 3,4×SDR

Sh2-129 / Ou4

Sh2-129 und Ou4 – der Tintenfisch in den Flügeln der Fledermaus

Ein roter Bogen spannt sich über das Sternfeld im Kepheus: Sh2-129, der Fledermausnebel. Doch diesmal gehört der Blick nicht nur seinen leuchtenden Flügeln. Mitten darin zeichnet sich Ou4, der Tintenfischnebel, als türkisfarbene, zweilappige Struktur ab. Links wirkt die Kontur zerfasert und stellenweise vom roten Nebel überlagert; rechts ist eine längliche, rund auslaufende Hülle gut zu verfolgen. Die neue Bearbeitung trennt die beiden Formen deutlich voneinander, ohne den schwachen Tintenfisch aus seinem weiten Umfeld zu lösen.

Warum Rot und Türkis? Die HOO-Darstellung legt den Wasserstoffkanal Hα in Rot und den sauerstoffbetonten Kanal in Grün und Blau. Hα bei etwa 656,3 nm entsteht, wenn angeregter Wasserstoff in einen niedrigeren Energiezustand zurückkehrt; die markante [O III]-Linie bei 500,7 nm stammt von zweifach ionisiertem Sauerstoff. Bei einer Farbkamera mit Dualbandfilter sind diese Kanäle keine vollkommen getrennten spektroskopischen Messungen. Die Palette macht Strukturen lesbar, bildet aber weder natürliche Sternfarben noch unmittelbar Temperatur oder Elementhäufigkeit ab.

Der scheue Tintenfisch wird sichtbar. Nicolas Outters entdeckte Ou4 erst 2011 auf tiefen [O III]-Aufnahmen. Auch hier lebt seine Gestalt vom Kontrast zwischen dem sauerstoffbetonten Türkis und dem kräftigen Wasserstoffrot von Sh2-129. Die beiden Lappen lassen sich nun über das Zentralfeld hinweg als zusammengehörige Form erkennen: feine helle Säume, durchscheinende Flächen und eine schmalere Verbindung in der Mitte. Nicht jede schwache Faser ist gleich klar abgegrenzt – aber die charakteristische Tintenfisch-Silhouette ist jetzt weit mehr als eine angedeutete Aufhellung.

Was treibt Ou4 an? Corradi und Kollegen deuten die gemessenen Gasbewegungen und Linienverhältnisse als stoßangeregten Ausfluss. Eine Verbindung mit dem zentralen Mehrfachstern HR 8119 / HD 202214 und Sh2-129 ist plausibel, aber die Natur von Ou4 ist damit nicht abschließend geklärt. Unter der Annahme einer gemeinsamen Entfernung von rund 2.300 Lichtjahren wäre der Tintenfisch annähernd 50 Lichtjahre lang. Das ist eine bedingte Größenangabe, keine direkt aus diesem Bild gemessene Strecke.

Zwei Randfelder, zwei verschiedene Geschichten. Links oben sitzt vdB 140 um HD 203025; am rechten Rand fällt eine türkisfarbene Aufhellung bei HD 203232 auf. Letzterer wird in SIMBAD als K2-Stern geführt: Gerade dort wäre „blau gleich heißer Stern oder Sauerstoffnebel“ ein Fehlschluss. Die vier Ausschnitte trennen deshalb das Zentralfeld, vdB 140, die rechte Sternumgebung und die gesamte Fledermausform. In dieser Bildorientierung liegt Norden rechts und Osten oben.

Wo am Himmel

DenebSadrAljanahFawarisAlbireoIC1396ANGC7380NGC 7226sh2-157Sh2-129 / Ou4NGC 6946NGC 6952
Schwan — 7 Einträge auf 30° Bildbreite

Das Rechteck ist das echte Bildfeld dieser Aufnahme, mit gemessener Drehung — kein Symbol. Die Sternbildfigur und die Sternpositionen stammen aus SIMBAD.

In dieser Region liegen 7 Einträge auf 30° — ein Klick auf ein Feld wechselt dorthin.

Ausschnitte

Ou4 – der Tintenfisch wird sichtbar4 Objekte — zeigen

Ou4 · Tintenfisch

Ou4 – der Tintenfisch wird sichtbar

1,56° × 0,85°·21h 12m 21.91s +60° 00′ 50.6″

Der Ausschnitt legt den Blick auf die nun deutlich erkennbare zweilappige Gestalt von Ou4. Links liegen zerfaserte türkisfarbene Säume vor und zwischen roten Strukturen; rechts läuft eine längliche Hülle rund aus. Die hellen Ränder und die schmalere Mitte machen die Verbindung beider Seiten lesbar. Im Zentralfeld steht HR 8119 / HD 202214, das als möglicher Antrieb diskutierte Mehrfachsternsystem. Der Overlay-Kreis hilft beim Auffinden, er zeichnet nicht die Nebelkontur nach.

vdB 140 – Sternlicht und Staub1 Objekt — zeigen

vdB 140

vdB 140 – Sternlicht und Staub

45,2′ × 38,0′·21h 18m 04.17s +58° 37′ 04.0″

Die kompakte Nebelumgebung links im Gesamtbild gehört zu vdB 140 bei HD 203025. Der Katalog ordnet den beleuchtenden Stern dem frühen B-Typ zu. Reflexionsnebel streuen Sternlicht an Staub; ihr Aussehen unterscheidet sich deshalb grundsätzlich von einem reinen Emissionslinienbild. In dieser Dualband-/HOO-Fassung ist die türkisrote Farbverteilung keine natürliche RGB-Farbwiedergabe. Der Marker sitzt an der Katalogposition des Sterns, der Ring dient nur zur Orientierung.

HD 203232 – Sternumgebung am Bildrand1 Objekt — zeigen

HD 203232

HD 203232 – Sternumgebung am Bildrand

43,0′ × 46,5′·21h 18m 08.42s +61° 26′ 40.7″

Die auffällige türkisfarbene Aufhellung am rechten Bildrand umgibt die projizierte Position von HD 203232. SIMBAD führt ihn als spektroskopisches Doppelsternsystem mit Spektraltyp K2. Seine Farbe in dieser HOO-Bearbeitung lässt daher keinen direkten Rückschluss auf die Sterntemperatur zu. Ob und wie stark Streulicht, Filterhalos oder diffuse Umgebung zum großflächigen Leuchten beitragen, lässt sich aus diesem fertigen Bild allein nicht trennen. Der Ausschnitt bekommt bewusst eine Sternzuordnung statt eines unbelegten Nebelnamens.

Die Flügel der Fledermaus5 Objekte — zeigen

Sh2-129

Die Flügel der Fledermaus

2,43° × 2,15°·21h 11m 30.37s +60° 06′ 52.8″

Der große Ausschnitt zeigt die Form, die Sh2-129 seinen Beinamen gibt: eine helle, gekrümmte Vorderkante und weit auslaufende rote Flanken. Die linke Kante wirkt schmal und faserig, die obere Aufhellung flächiger; nach unten verliert sich die Struktur im dunkleren Feld. Das ist zunächst eine Aussage über die sichtbare Verteilung der Hα-betonten Emission. Die im Overlay markierten Teilbereiche sind Orientierungspunkte innerhalb von Sh2-129 und keine zusätzlichen Katalognebel.

Aufnahme und Bearbeitung

Aufnahmegrundlage. Diese Neufassung vereint 53 × 300 s = 15.900 s, also 4 h 25 min, aus vier Nächten zwischen dem 5. und 11. September 2026. Die leicht versetzten Bildfelder wurden im virtuellen Panel Sh2-129/Ou4 zusammengefasst. Aufgenommen wurde mit der ZWO ASI2600MC Air am William Optics RedCat 71, 349 mm, durch einen Duo-Hα/O-III-Filter, bei etwa −10 °C. 32 Lights stammen von Gain 0, 21 von Gain 100. Alle 53 gingen nach Registrierung und lokaler Normalisierung in die gewichtete Integration ein. Gegenüber der früheren 95-Minuten-Fassung steht damit rund 2,8-mal so viel Belichtungszeit zur Verfügung.

Kalibration. Die Gain- und Flat-Gruppen wurden getrennt behandelt. Für die Gain-0-Aufnahmen kamen Bias und Flat zum Einsatz, jedoch kein Dark: Ein passender Gain-0-Dark fehlte. Für Gain 100 wurden Bias, Dark-Master und die zum jeweiligen Aufnahmebestand zugeordneten Flats verwendet. Der fehlende Gain-0-Dark bleibt eine Einschränkung dieser gemischten Datengrundlage.

Bearbeitung und Bildfeld. Der PiMagic-Duo/HOO-Weg bearbeitet Wasserstoff und Sauerstoff getrennt und korrigiert die Gradienten der Einzelkanäle. Automatisches Beschneiden war für diesen Lauf deaktiviert; der vollständige 6.248 × 4.176-Pixel-Master blieb bis zur Photoshop-Ebenenfassung erhalten. Die hier gezeigte neue Bearbeitung erhält anschließend ihren eigenen finalen Ausschnitt und eine gezielte Farb- und Kontrastabstimmung. Türkis und Rot sind eine HOO-Darstellung, keine natürlichen RGB-Farben oder unabhängige spektroskopische Messung.

Ausrichtung der Beschriftungen. Die veröffentlichte AVIF-Fassung misst 5.800 × 3.867 Pixel und besitzt eine eigene astrometrische Lösung: 7.834 Sterne, 0,96″ Restfehler, rund 2,218″/Pixel und 3,57° × 2,38° Bildfeld. Die vorhandenen Himmelskoordinaten der Ausschnitte und Objektmarker werden auf diese neue Bildgeometrie projiziert. Die Ringe bleiben Orientierungshilfen und sind keine nachgemessenen Nebelkonturen.

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