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M 45 · Plejaden — sieben Schwestern im Staub, der ihnen nicht gehörtHDR 2,8×SDR

M45

M 45 · Plejaden — sieben Schwestern im Staub, der ihnen nicht gehört

Kein Sternhaufen begleitet die Menschheit länger: Die Plejaden stehen auf der Himmelsscheibe von Nebra, sie datieren in Hesiods Bauernkalender die Aussaat, und in fast jeder Kultur tragen sie einen eigenen Namen — Siebengestirn, Subaru, Matariki. Mit bloßem Auge zählt man je nach Himmel sechs bis neun Sterne; auf der Aufnahme werden daraus hunderte, eingesponnen in blaue Schleier.

Physikalisch sind die Plejaden das Lehrbuchexemplar eines [offenen Sternhaufens](#/wissen/sternhaufen) in seiner mittleren Lebensphase: rund 100 Millionen Jahre alt, längst vom Geburtsgas getrennt, mit weit über tausend Mitgliedern — dominiert von einigen Dutzend heißen, blau-weißen B-Sternen. In etwa 250 weiteren Millionen Jahren werden die Gezeiten der Milchstraße den Haufen aufgelöst haben; wir erwischen ihn im besten Alter.

Die Entfernung war ein Jahrzehnte langer Streitfall. Der Astrometrie-Satellit Hipparcos maß in den 1990ern rund 390 Lichtjahre und lag damit im offenen Widerspruch zu allen anderen Methoden. Erst Radiointerferometrie und Gaia entschieden den Streit: etwa 445 Lichtjahre — die klassischen Methoden hatten recht, der Satellit einen systematischen Fehler. Eine gesunde Erinnerung daran, dass auch Präzisionsmessungen Prüfung brauchen.

Der berühmte blaue Nebel gehört nicht zum Haufen. Ein 100 Millionen Jahre alter Haufen hat sein Geburtsgas längst verloren — was hier leuchtet, ist eine fremde Staubwolke, durch die die Plejaden zufällig gerade hindurchziehen. Der Staub reflektiert das Licht der B-Sterne, und weil Blau am effizientesten gestreut wird, sind die Schleier so tiefblau. Die feinen parallelen Strähnen — als Striae katalogisiert — folgen dabei vermutlich den Magnetfeldlinien der Wolke: Das Sternlicht macht hier eine Struktur sichtbar, die sonst unsichtbar wäre. Diese tiefer ausgearbeitete Fassung zeigt, wie weit der Staub wirklich reicht — bis in die Ecken des Feldes.

Die Namen erzählen eine Familie — und hier ist sie vollzählig. Alle sieben Schwestern der griechischen Sage stehen im Feld — Alcyone, Maia, Electra, Merope, Taygeta, Celaeno und das Doppelpaar Sterope — und seit diese Fassung als Mosaik nach Osten erweitert wurde, auch wieder die Eltern Atlas und Pleione. Das Overlay ordnet die Namen den Sternen zu. Die »verlorene Plejade« der Sagen passt übrigens erstaunlich gut zu Pleione, einem veränderlichen Be-Stern, der seine Helligkeit tatsächlich merklich ändert.

Wo am Himmel

AldebaranElnathAinAlkyoneM45
Stier — ein Eintrag auf 24° Bildbreite

Das Rechteck ist das echte Bildfeld dieser Aufnahme, mit gemessener Drehung — kein Symbol. Die Sternbildfigur und die Sternpositionen stammen aus SIMBAD.

Ausschnitte

Electra — eine Schwester im Schleier1 Objekt — zeigen

Electra

Electra — eine Schwester im Schleier

13,5′ × 21,4′·03h 45m 19.48s +24° 05′ 33.1″

Electra, eine der hellen Schwestern, mit ihrem eigenen weichen Lichthof im durchziehenden Staub. Gut zu sehen: Der Hof ist kein reiner Instrumenteneffekt, sondern echte Reflexion — er ist strukturiert, leicht asymmetrisch und folgt der Dichteverteilung der Wolke statt der Optik.

Die feinen hellen Fäden, die durchs Feld laufen, sind Ausläufer der Striae — dieselben Magnetfeld-Strähnen, die beim Merope-Nebel ihr dichtestes Muster zeigen.

Merope und NGC 1435 — der große Schleier2 Objekte — zeigen

Merope & Nebel

Merope und NGC 1435 — der große Schleier

27,8′ × 31,2′·03h 46m 48.08s +23° 50′ 16.8″

Der ausgedehnteste Nebelbereich der Aufnahme: der Merope-Nebel NGC 1435, ein weicher Vorhang, der sich von Merope über ein halbes Grad ausbreitet — mit einem Hauch wärmerer Töne, wo der Staub dichter wird und das Blau stärker herausfiltert.

Genau solche Flächen sind der Grund, warum die Plejaden fotografisch nie fertig sind: Der Schleier läuft ohne scharfe Grenze weiter, bis ihn erst die Belichtungszeit und dann der Himmelshintergrund verschlucken.

Alcyone — die Hellste im Zentrum1 Objekt — zeigen

Alcyone

Alcyone — die Hellste im Zentrum

19,8′ × 27,3′·03h 47m 30.28s +24° 06′ 09.9″

Alcyone ist die hellste der Schwestern: ein heißer B-Riese mit der Leuchtkraft von weit über tausend Sonnen, begleitet von einer hübschen kleinen Sternkette gleich nebenan. Ihr breiter Halo ist zum Teil Optik — zum Teil aber echter Staub, der ihr Licht zurückwirft.

Wie alle hellen Plejaden rotiert sie extrem schnell; solche Be-Sterne schleudern immer wieder Gas in eine Scheibe um den Äquator. Die ruhige Mitte des Haufens ist physikalisch alles andere als ruhig.

Der Südrand — Haufenvolk vor Milchstraßenfeld

Südrand

Der Südrand — Haufenvolk vor Milchstraßenfeld

32,3′ × 19,4′·03h 47m 33.16s +23° 41′ 40.0″

Am Südrand des Feldes mischen sich die letzten blau-weißen Haufenmitglieder unter das Milchstraßenfeld: Die kühleren, gelb-orangen Sterne dahinter haben mit den Plejaden nichts zu tun — sie stehen zufällig auf derselben Sichtlinie, die meisten viel weiter entfernt.

Oben im Ausschnitt ziehen noch schwache Staubschlieren durch — die äußersten Ausläufer der Wolke, kaum noch beleuchtet. Der Farbkontrast zwischen Haufen und Hintergrund ist eine Alterskarte in einem Bild: vorne die 100 Millionen Jahre junge B-Stern-Generation, dahinter die alte Population der Galaxis.

Maia, ihr Nebel und das Doppelpaar Sterope2 Objekte — zeigen

Maia & Asterope

Maia, ihr Nebel und das Doppelpaar Sterope

24,6′ × 21,7′·03h 46m 10.82s +24° 24′ 33.3″

Der Stern in der dichtesten Reflexionswolke ist Maia; ihr Schleier trägt als NGC 1432 eine eigene Katalognummer und leuchtet wie eine von innen angestrahlte Laterne im Nebel. Das Blau ist Physik, keine Bearbeitung: Die Staubkörner streuen kurze Wellenlängen deutlich effizienter als lange — derselbe Mechanismus, der den Taghimmel blau macht.

Daneben steht das enge Paar Sterope I und II (21 und 22 Tauri) — in den Sagen eine Schwester, am Himmel zwei Sterne, die sich einen Namen teilen.

Celaeno — die Unscheinbare unter den Schwestern1 Objekt — zeigen

Celaeno

Celaeno — die Unscheinbare unter den Schwestern

11,1′ × 19,2′·03h 44m 46.61s +24° 17′ 53.3″

Celaeno ist die schwächste der sieben Schwestern — mit 5,4. Größenklasse gerade noch freisichtig und ein alter Kandidat für die »verlorene Plejade« der Sagen. Physisch ist sie den anderen völlig ebenbürtig: ein heißer, schnell rotierender B-Stern.

Ihr weicher Lichthof ist Reflexion am durchziehenden Staub, der in dieser tiefen Fassung das ganze Umfeld füllt — selbst zwischen den Schwestern gibt es keine wirklich leere Stelle mehr.

Taygeta — am Rand von Wolke und Haufen2 Objekte — zeigen

Taygeta

Taygeta — am Rand von Wolke und Haufen

16,0′ × 19,7′·03h 45m 17.72s +24° 31′ 08.9″

Taygeta steht am nordwestlichen Rand des dichten Schleiers: Ihr Umfeld ist merklich dunkler als das der Schwestern in der Wolkenmitte, auch wenn die tiefe Mosaikfassung zeigt, dass der Staub selbst hier nie ganz aufhört.

Ihr auffälliger Halo mit dem violetten Saum ist dagegen überwiegend ein Geschenk der Optik: Beugung und Streuung im Teleskop. Echte Reflexion und Instrumenteneffekt zu unterscheiden ist eine der ständigen kleinen Übungen der Astrofotografie — die Wolke ist strukturiert, der Halo rund.

Der Nordrand — wo der Haufen ausdünnt

Nordrand

Der Nordrand — wo der Haufen ausdünnt

24,4′ × 23,2′·03h 47m 40.05s +24° 30′ 02.3″

Nördlich der hellen Schwestern dünnt der Haufen sichtbar aus: ein paar hellere Mitglieder, dazwischen zunehmend das gewöhnliche Sternfeld der Milchstraße — an den wärmeren Farben der Hintergrundsterne gut vom blau-weißen Haufenvolk zu unterscheiden.

Der dunkelblaue Staubfetzen im Feld gehört noch zur durchziehenden Wolke: Ihre Ausläufer reichen weiter, als der helle Schleier vermuten lässt — beleuchtet wird eben nur, was nahe genug an einem B-Stern liegt.

18 Tauri — das Haufenmitglied am Nordwestrand1 Objekt — zeigen

18 Tauri

18 Tauri — das Haufenmitglied am Nordwestrand

11,0′ × 19,2′·03h 45m 14.28s +24° 48′ 33.9″

18 Tauri gehört zum Haufen, steht aber abseits des berühmten Zentralquartetts am Nordwestrand — ein heißer B-Stern von 5,6. Größenklasse, in ein eigenes zartes Reflexionsglimmen gehüllt.

Der Ausschnitt zeigt, dass die Plejaden mehr sind als ihre sieben Namensträgerinnen: Der Haufen zählt weit über tausend Mitglieder, und seine hellen B-Sterne verteilen sich über ein Feld von mehreren Vollmonddurchmessern.

Die ganze Familie — Schwestern, Eltern, Schleier und Striae9 Objekte — zeigen

Das Herz des Haufens

Die ganze Familie — Schwestern, Eltern, Schleier und Striae

0,80° × 1,20°·03h 47m 01.17s +24° 10′ 11.7″

Der ganze Haufen in einem Feld: alle sieben Schwestern von Alcyone bis zum Sterope-Paar, dazu am unteren Rand die Eltern Atlas und Pleione — jede und jeder mit einem eigenen Lichthof im durchziehenden Staub. Dazwischen spannen sich die feinen parallelen Striae — Strähnen, die vermutlich den Magnetfeldlinien der Wolke folgen.

Gut zu sehen ist auch der Farbwechsel des Staubs: nahe den B-Sternen strahlend blau, in den Zwischenräumen grau und müde. Es ist überall dasselbe Material — nur die Beleuchtung unterscheidet sich.

Atlas und Pleione — die Eltern sind zurück im Bild2 Objekte — zeigen

Atlas & Pleione

Atlas und Pleione — die Eltern sind zurück im Bild

46,3′ × 18,8′·03h 49m 12.59s +24° 03′ 36.0″

Das helle Paar, für das dieses Mosaik erweitert wurde: Atlas, der mythologische Vater der Schwestern, und dicht daneben die schwächere Pleione. Sie ist ein schnell rotierender Be-Stern, der in Jahrzehntzyklen Gasringe abwirft und dabei sichtbar die Helligkeit ändert — der beste physikalische Kandidat für die »verlorene Plejade«, die in den Sagen vieler Kulturen auftaucht.

Am Ostrand des Haufens wird der durchziehende Staub dünn; nur ein Hauch Schleier liegt noch über dem Feld. Wer die Plejaden mit bloßem Auge zählt, zählt meist bis zu diesem Paar.

Aufnahme und Bearbeitung

Die Aufnahme stammt aus der Newton-Ära dieser Galerie um 2016: GSO 8″ f/4 Newton bei 800 mm und astro-modifizierte Canon EOS 70D (so auch im Dateinamen dokumentiert). Die ursprünglichen Belichtungsfolgen und Protokolle sind nicht mehr überliefert; Framezahlen und Gesamtbelichtung werden deshalb nicht rekonstruiert.

Erhalten ist eine 32-Bit-Fassung, die 2026 neu aufbereitet wurde — in dieser dritten Ausarbeitung als Mosaik nach Osten erweitert, damit auch Atlas und Pleione wieder im Bild stehen: 5.024 × 4.584 Pixel in nativer Auflösung, tiefer gestreckt und mit deutlich mehr Staubzeichnung bis in die Ränder. Die blauen Reflexionsschleier sind Breitband-Farbinformation der DSLR — bei einem Reflexionsnebel ist Breitband der physikalisch richtige Weg, Schmalbandfilter würden ihn auslöschen.

Die veröffentlichte Datei wurde unabhängig astrometrisch gelöst: 659 Gaia-Referenzsterne, Restfehler 0,40″, Maßstab 1,0472″/Pixel, Feld 1,46 × 1,33°, Bilddrehung -88° — Norden liegt links, Westen oben. Ausschnittskoordinaten, Größenangaben und sämtliche Objektmarker werden aus dieser Lösung berechnet und nicht nach Augenmaß auf die Vorschau gelegt.

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